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das "echte" Paph. superbiens
 

Schaut man sich aktuelle Fotos von Paph. superbiens im Internet und auch in Fachforen an, werden oftmals nicht zuteffende Bilder von dieser Pflanze gezeigt. Lange Zeit war es auch schwierig, diese Art von Paph. curtisii zu unterscheiden.

 

Ein historischer Rückblick:

Erstmals erwähnt wurde Paph. superbiens im Jahr 1855, als eine solche Pflanze von ROLLINSON nach England importiert und später von REICHENBACH in der Zeitschrift Bonplandia als Paph. superbiens beschrieben worden ist. Eine zweite Pflanze davon wurde 1857 bei der Firma VEITCH in einem Import entdeckt.

Im Jahr 1882 hatte Charles CURTIS, der ein Sammler von VEITCH war, eine größere Population von diesen Pflanzen in Sumatra gefunden und nach Europa gebracht.

Eine Ähnlichkeit zu dem schon bekannten Paph. superbiens wurde zwar bemerkt, allerdings hatten diese Pflanzen kleinere Blüten mit etwas kürzeren Petalen. Dieses hatte REICHENBACH zum Anlass genommen, die neu gefunden Pflanzen als Paph. curtisii zu beschreiben.

 

Als ich mich Anfang der 80er Jahre für Paphiopedilum zu interessieren begann, waren immer mal wieder Paph. curtisii in den Gärtnereien zu bekommen.

 

Paph. superbiens habe ich erstmals bei der Firma POPOW Ende der 80er Jahre zu Gesicht bekommen. Während Pflanzen von Paph. curtisii eine variable Blattfärbung hatten, war die Blattfärbung der beiden Pflanzen von Paph. superbiens nahezu gleich. Diese beiden Pflanzen wurden bestäubt und von Rene KLINGE (NL) ausgesäht und die Jungplanzen von ihm aufgezogen. Alle Nachkommen hatten die gleiche Blattfärbung wie die Elternpflanzen und davon gibt es auch heute noch Pflanzen zu kaufen.

 

Vergleicht man die Blüten von diesen Paph. superbiens und die von Paph. curtisii, ist es tatsächlich schwierig Unterschiede festzustellen. Eine sichere Identifizierung konnte eher über die Blattfärbung durchgeführt werden.

In der Taxonomie wurden daher manchmal beide Arten zugelassen, dann wieder wurde Paph. curtisii lediglich als Varietät zum Paph. superbiens anerkannt oder gar nur als Synonym zum Paph. superbiens eingestuft.

 

Bei Feldforschungen in Sumatra haben Dr. FOWLIE und Lance A. BIRK das Paph. curtisii in Höhenlagen zwischen 900 und 1400 Metern in den Bergen um den Lake Toba See gefunden, während das Paph. superbiens weiter südlich in 600 Metern Höhe am Gunung Keringii in der Nähe der Stadt Tapan gefunden wurde.

BRAEM vermutete daher, dass das Paph. curtisii eine Hochlandform von dem Paph. superbiens sein könnte.

 

Im Herbst 2011 sind dann Importpflanzen aus Sumatra als mögliche Paph. x frankeanum (Naturhybride zwischen P. curtisii x P. tonsum) nach Deutschland importiert worden. Die Überaschung war dann groß, als die ersten Pflanzen von diesem Import in 2012 blühten. Schnell war klar, dass es sich nicht um diese Naturhybride handeln konnte – aber was blühte da?

Holger PERNER entdeckte als Erster, dass es sich bei diesen Pflanzen um das Original Paph. superbiens handeln musste, dass von REICHENBACH in 1855 beschrieben worden ist.

Er verglich dafür die Blüten mit einem farbigen Aquarell von John DAYS Scrap Book Nr. 19 – das Echte Paph. superbiens war wieder entdeckt worden und wurde von H. PERNER in der deutschen Orchideenzeitschrift „Orchideenjournal Heft 4 2012“ beschrieben.

Paphiopedilum curtisii + Paph. superbiens Superbiens_neu

 

 

Aufgrund der Wiederentdeckung des Paph. superbiens haben Dr. Holger PERNER & Olaf GRUSS in den taxonomischen Mitteilung der deutschen Orchideenzeitschrift „Die Orchidee Heft 6 2017“ das Paph. curtisii jetzt wieder als echte Art neben dem neu wiedergefundenen Paph. superbiens zugelassen.

Offen blieb die Frage, welchen Namen wir aber für die Pflanzen, die wir jahrzehntelang als Paph. superbiens kultiviert haben verwenden sollen? Ist das jetzt Paph. curtisii var. superbiens?

 

Es ist unbedingt notwendig, diese „echte“ Paph.superbiens aus Samen weiter zu vermehren.

Ein Orchideenfreund kreuzte daher zwei dieser Pflanzen und säte sie aus. Die Flaschenware von diesen Pflanzen wurde an verschiedene Orchideenbetriebe verkauft.

Als die ersten Pflanzen von diesen Nachzuchten blühten war die Überraschung groß, als neben den erwarteten Paph. superbiens auch Pflanzen blühten, die eher einer Kreuzung zwischen Paph. superbiens und Paph. callosum glichen.

 

War etwa noch Pollen einer vorhergehenden Kreuzung von Paph. callosum am „Bestäubungsstock“, oder wurden die Jungpflanzen in den Anzuchtgärtnerein vertauscht?

Wer aktuell Pflanzen davon in Europa kauft, sollte mit solchen Überraschungen leben können, oder er kauft nur blühende Pflanzen davon.

Mittlerweile sind wieder Pflanzen von Paph. superbiens miteinander gekreuzt worden. Wir müssen das Ergebnis dieser Bestäubung abwarten.

 

Weitere Bilder von Paph. superbiens und Paph. curtisii sind auch unter der Rubrik „Arten“ hier auf dieser Homepage zu finden.

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